Communities of Practice

Im 21. Jahrhundert wird Wissen zur Schlüsselressource und Bildung zur Bedingung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Nun ist Wissen aber keine Ware, die gekauft, gelagert oder transportiert werden kann. Das Wissen einer Lernenden Organisation lebt vielmehr in den Fertigkeiten (Practice) ihrer Mitarbeiter (Community).

Communities of Practice (CoP) bieten geeignete Rahmenbedingungen und Strukturen, welche Lernprozesse, Kompetenzentwicklung und Wissensverwaltung in Organisationen vorantreiben können. CoP ersetzen keineswegs Geschäftsabteilungen oder Teams, welche Märkte betreuen und für Produkte und Dienstleistungen verantwortlich zeichnen, sind aber mehr als nur ein Netzwerk, eine Datenbank oder ein Maßnahmenkatalog.

Etienne Wenger, der Begründer des Konzepts, definiert eine Community of Practice (CoP) als Gruppe von Personen, die miteinander interagieren, gemeinsam lernen, Beziehungen und Vertrauen zueinander aufbauen und während dieses Lern-Prozesses ein Gefühl von Zugehörigkeit und Engagement entwickeln – mit dem Ziel in ihrem Fachgebiet besser zu werden.

Der Mehrwert einer CoP für Organisationen und für die Mitglieder selbst liegt im gemeinsamen Lernen, im sozialen Umgang miteinander, im Zugehörigkeitsgefühl, in der regen Diskussionstätigkeit und der Eigeninitiative, im Vertrauen auf die Fachexpertise der Mitglieder und schließlich in der gemeinsamen Identität. Indem sie als lebendige Wissens-Quelle fungieren, können CoP ein primäres Instrument der Wertschöpfung in der Wissensökonomie darstellen.

Grundelemente einer CoP

Eine CoP definiert sich über ihre Domaine, Community und Practice:

Domaine bedeutet, dass die Mitglieder ein gemeinsames Thema haben, welches sie verbindet, und das Bedürfnis teilen miteinander zu lernen. Dieses Bedürfnis kann, muss aber nicht, explizit sein; es kann die Kernmotivation der Mitglieder darstellen oder auch ein Nebenprodukt ihres gemeinsamen Unterfangens sein. Die Domaine inspiriert die Mitglieder etwas beizutragen, leitet ihr Lernen und gibt ihren Handlungen einen Sinn.

Community bedeutet, dass die Mitglieder im Laufe der Zeit eine Beziehung zueinander aufbauen. Die Interaktionen einer starken Community basieren auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Die Bereitschaft Ideen auszutauschen steigt, wichtige Fragen können gestellt werden, Ignoranz wird ausgeklammert. „Wissen“ und „Lernen“ sind nicht ausschließlich intellektuelle Prozesse sondern schaffen ein Gefühl der Zugehörigkeit, indem sie Herz und Verstand einbeziehen.

Practice bedeutet, dass die Mitglieder von der Interaktion profitieren, dass sich ihre Fertigkeiten verbessern, unabhängig davon, ob sie diese gemeinsam oder getrennt voneinander ausüben. Die Mitglieder können auf eine gemeinsam erstellte Sammlung von Grundprinzipien, Geschichten, Regeln, Instrumenten und Erfahrungen zurückgreifen, wenn sie neuen Herausforderungen gegenüber stehen.

Sind diese drei Elemente – Domaine, Community, Practice – aufeinander abgestimmt, stellt eine CoP eine ideale soziale Wissensstruktur dar, in der Verantwortung für die Entwicklung und den Austausch von Wissen übernommen werden kann.