Bildung anders denken

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Wir müssen Bildung anders denken, fordern die TeilnehmerInnen der CoP Bildung. In ihren Betrieben beobachten sie eine zunehmende „Bildungsmüdigkeit“. Diese begründen sie so: Erstens bringen Aus- und Weiterbildungen den MitarbeiterInnen finanziell kaum etwas und zweitens bieten sie ihnen häufig keine echte Perspektive.

Eine Woche Bildungsfreistellung und niemand nutzt sie? 200 Euro Weiterbildungsgeld und keiner will es? Äußerst günstige Kursangebote und keine Anmeldungen? Sind MitarbeiterInnen Bildungsmuffel? Und das, obwohl wir ständig hören, dass wir dringend in unsere Aus- und Weiterbildung investieren müssen? Irgendetwas stimmt da nicht, sagen die TeilnehmerInnen der CoP Bildung. Und fragen sich: Wozu sollen sich BetriebsrätInnen unter diesen Umständen dafür einsetzen, dass MitarbeiterInnen Aus- und Weiterbildungsangebote in Anspruch nehmen können? Auf Unverständnis folgt, wie so oft, die Resignation.

Überholtes Bildungskonzept
Auffällig gering sei das Interesse an Aus- und Weiterbildung bei Personen mit niedrigem Bildungsgrad und bei Erwerbstätigen über 50. Außerdem wirken das aktuelle Überangebot und die eingefahrene Strukturen in vielen Organisationen förmlich wie eine Motivationshürde. Womöglich sei es aber unfair, die MitarbeiterInnen als „lernfaul“ zu bezeichnen. Tatsächlich sei das traditionelle Bildungskonzept – „Hinsetzen – Weiterbilden – Erfolg messen“ – in unserer schnelllebigen Zeit, wo Globalisierung und digitaler Wandel unser Berufs-Leben permanent verändern, nicht mehr zeitgemäß. Interesse gibt es den BetriebsrätInnen zufolge vor allem an Kursen, wo die Lernenden aktiv mitgestalten können und Inhalte erarbeiten, die sie für ihre tägliche Arbeit benötigen.

Weg von der Kostenstelle
HR und GF müssten wegkommen von dem Gedanken, dass ein Töpferkurs nichts weiter als eine Marotte des Betriebsrats sei und den MitarbeiterInnen für ihre tägliche Arbeit nichts bringe. „Die MitarbeiterInnen sind froh, wenn sie einmal etwas anderes machen dürfen und ihren Kopf frei bekommen“, erzählt ein CoP Teilnehmer. „Auch wenn es sich um FließbandarbeiterInnen handelt, die in ihrem Berufsleben voraussichtlich niemals töpfern werden.“ Schließlich gehe es darum, die Fantasie, die Kreativität, den Teamgeist und damit die Motivation und die Leistungsfähigkeit zu fördern. Durch eine bewusste Überlappung von Disziplinen könne das gelingen. „Auch das Interesse der MitarbeiterInnen an den Kompetenzen der KollegInnen ist nicht zu unterschätzen“, erklärt ein weiterer CoP Teilnehmer. In seinem Unternehmen sei es zumindest möglich, regelmäßige Austausch-Treffen zu veranstalten, wo jeweils eine KollegIn aus seinem oder ihrem Erfahrungsschatz berichtet.“ Erst durch das Verbinden unterschiedlicher Denkmuster können neue Lösungen entstehen, können wir unsere fachlichen und sozialen Kompetenzen erweitern, sind die CoP Members überzeugt. Selbst wenn sich solche „Weiterbildungsveranstaltungen“ am Ende des Tages nicht sofort in Stückzahlen ausdrücken lassen.

Kontakt: Dr. Ulrich Schönbauer – ulrich.schoenbauer@akwien.at

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