Schick doch eine Mail an @diy.com !

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Während alle vom digitalen Wandel sprechen, ist Industrie 4.0 in der Unternehmens-Realität angekommen. Maschinen organisieren sich selbst, Arbeitsabläufe werden minuziös geplant, Zeit für Zwischenmenschliches bleibt kaum. Was bedeutet diese Entwicklung für unsere Gesundheit? Mit dieser Frage beschäftigt sich die CoP Betriebliche Gesundheitsförderung.

Die TeilnehmerInnen der CoP plaudern aus dem Nähkästchen: Viele beobachten Intrigen und Mobbing in den eigenen Reihen. MitarbeiterInnen sind mit der Dokumentation ihrer Arbeit überfordert und wissen am Ende des Tages oft gar nicht mehr, wieviele unterschiedliche Jobs sie erledigt haben. Währenddessen melden Maschinen ihren eigenen Verschleiß und bestellen Drucker eigenständig neue Patronen nach. Die Kanzleidame, die früher dafür gesorgt hat, dass alle MitarbeiterInnen mit Büromaterial versorgt sind, gibt es nicht mehr. Wenn ein Problem auftritt, fehlt die Ansprechperson mit der entsprechenden Fachkompetenz. Und wenn ein Fehler passiert, fühlt sich niemand zuständig. „Schick doch eine Mail an @diy.com !“ ist der Running Gag im Unternehmen einer Interessesvertreterin.

Das Miteinander geht verloren
Für den persönlichen Austausch bleibt bei den streng kontrollierten Abläufen kaum noch Zeit. Modern ausgestattete „Coffee Corners“ laden zwar zum innovationsfördernden Gespräch ein, allzu lange hält man sich dort aber nicht auf, da es in Zeiten von Whistleblowing verdächtig wirken könnte. Mancherorts vernimmt man unter KollegInnen sogar den Ruf nach mehr Autorität und Struktur seitens der Führung, damit endlich Ordnung in das Chaos käme.

Widersprüchlich
Einen großen Widerspruch sehen die TeilnehmerInnen der CoP darin, dass MitarbeiterInnen einerseits zunehmend steuernd und regulierend tätig sein müssen – was Fachwissen und Kompetenz sowie ein hohes Maß an Selbstverantwortung voraussetzt – und andererseits die Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume durch globale Vorgaben immer kleiner werden, was zu einem schlechtem Betriebsklima, zu Demotivation und häufig sogar zu Resignation führt.
Führungskräfte und Belegschaften haben unter diesen Umständen kaum eine Chance, ihre Belastungen zu regulieren. Tatsächlich belegen zahlreiche Studien, dass die Anzahl der psychischen Erkrankungen in Zeiten des Internet der Dinge steigt. Zwar gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Handlungsempfehlungen und vorbeugenden Anti-Stress-Maßnahmen für (potenziell) Betroffene, der generelle Trend macht aber deutlich, dass es ein Umdenken und einen konstruktiven Umgang mit dem technologischen Wandel braucht. Genau damit wollen sich die TeilnehmerInnen der CoP BGF in ihrem nächsten Meeting auseinander setzen. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Unser nächster Termin: 3. Juni 2016
Kontakt: Dr. Ulrich Schönbauer – ulrich.schoenbauer@akwien.at

Foto: Joe Leutner

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