Sind Fehler „erlaupt“?

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Die Frage: „Sind Fehler „erlaupt“?“ beschäftigt mich schon seit Anbeginn meiner Betriebsratstätigkeit, denn oft werden Kolleginnen und Kollegen von den Beschäftigerbetrieben mit der Begründung: „…macht so viele Fehler“, zurückgestellt und daraufhin oftmals gekündigt. Als engagierte Betriebsrätin verteidigte ich stets die KollegInnen und führte die Ursache auf mangelnde Einschulung und Differenzen mit dem Stammpersonal beim Beschäftiger zurück.

Im Lauf der Jahre und der Erfahrungen, die ich sammelte, kristallisierte sich meine Annahme jedoch als eher gering zutreffend heraus. Die Ursachen lagen beispielsweise auch in den Kategorien:

  1. unausgeschlafen und unkonzentriert
  2. private Probleme und veränderte Lebensumstände
  3. soziale Netzwerke und Handysucht
  4. egal und schlampig

In einigen Fällen hilft ein Mitarbeitergespräch oder eine Verwarnung. In manchen Fällen ist jegliches Gespräch vergebliche Mühe, da keinerlei Einsicht für einen gemachten Fehler und dessen Konsequenzen besteht.

Bei Punkt 1. beispielsweise spielten Personen bis zeitig in der Früh Computerspiele, tanzten in Diskotheken oder zogen mit Freunden „um die Häuser“. Es ist klar, dass bei dauerhaftem Schlafentzug an Wochentagen, die Konzentration und Aufmerksamkeit bei der täglichen Arbeit leidet.

Bei Punkt 2. gab es eine große Vielfalt von unterschiedlichen Gegebenheiten, wie beispielsweise: Tod von Angehörigen, Trennung oder Scheidung mit Obdachlosigkeit und Wohnungssuche, Gefängnisaufenthalte wegen nicht beglichener Verkehrsstrafen, überraschende familiäre Pflegefälle, eigene und familiäre Unfälle und Krankheiten, Depression und Arbeitsmüdigkeit, u.s.w. In einigen Fällen konnte ich erfolgreich zu Beratungsstellen vermitteln oder durch gezielte Fragestellungen die KollegInnen dazu bringen gegen Selbstmitleid und Ohnmacht der Situation gegenüber anzukämpfen und aktiv zu werden, um eine Lösung zu suchen. Mein Motto dazu: „Jeder ist der Schmied seines eigenen Glücks“.

Zu Punkt 3 muss man ja nicht viel erklären. Die dauerhafte Ablenkung durch den Zwang ständig am Mobiltelefon präsent zu sein, irritiert nicht nur KollegInnen mit denen man zusammen arbeitet, sondern auch Vorgesetzte und Arbeitgeber. Dass man als Elternteil natürlich immer für Notfälle erreichbar sein möchte ist verständlich, aber hier ist das richtige Maß und Ziel angebracht.

Punkt 4. beschäftigte mich in meiner Beratungstätigkeit am meisten. Da ich selbst Legasthenikerin bin, ist es für mich selbstverständliche mein eigenes Tun doppelt zu kontrollieren und konzentriert zur arbeiten. Das fängt beim Eingeben der AT-Nummer bei Onlineüberweisungen an und endet damit, dass eine alphabetische Ablage zur Herausforderung wird.

Leider traf ich immer wieder Personen an, die keine Legasthenie haben und trotzdem dauerhaft schlampig sind. Wenn man sie darauf hinweist, dass da und dort Fehler sind und man um nochmalige Kontrolle bittet, dann zucken sie nur die Achseln und benehmen sich wie kleine, beleidigte, bockige Kinder. Es besteht keinerlei Einsicht und um sich die eigenen Fehler nicht eingestehen zu müssen, wenden sie sich an Freunde und Verwandte um sich Rückendeckung dafür holen, dass alle anderen Schuld sind, nur sie selber nicht. Sie belügen sich selbst und im Grunde genommen ist es ihnen egal, dass durch ihr Tun für andere Personen Konsequenzen entstehen und Arbeiten nachgearbeitet und doppelt gemacht werden müssen.

Man könnte sagen, solche Personen sind im Arbeitsleben „Zeiträuber“. Sie rauben quasi bewusst oder auch unbewusst den KollegInnen Zeit und Ressourcen. Nach einem Mitarbeitergespräch oder einer Verwarnung durch Vorgesetzte folgen häufig Krankenstände, die erst recht dazu führen, dass die KollegInnen aufgebracht sind. Am Ende sind dann wieder die anderen Schuld und sie fühlen sich „gemobbt“ und ausgegrenzt, ohne darin Einsichtig zu sein, dass sie selber die Ursache für die schwierige Situation sind. Ist eine solche Situation „festgefahren“ kann man leider wenig helfen. Zieht sich ein solches Dilemma durch einen ganzen Lebenslauf ist eine psychologische Beratung sinnvoll.

Grundsätzlich: „Ja, Fehler sind „erlaupt“.“ Es kann in bestimmten Lebenssituationen zu Fehlern im Arbeitsleben kommen. Entscheidend ist, dass man aus Fehlern lernt, nach dem Motto: „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“.

Als Beschäftiger- und Überlasserbetriebsräte sind wir gefordert zwischen LeiharbeitnehmerInnen und den ArbeitgeberInnen zu vermitteln und uns für KollegInnen einzusetzen, die zwar Fehler gemacht haben aber bemüht und bereit sind aus ihren Fehlern zu lernen.

 

About Author

Seit 2004 Betriebsratsvorsitzende Stv. der ManpowerGroup GmbH (Personaldienstleistung), 2008 Absolventin der BRAK (BetriebsrätInnenakademie), SVP (Sicherheitsvertrauensperson), EH (Ersthelferin), BW (Brandschutzwart), 2009 Gründung der COP Zeitarbeit, 2013 GEDIFO Redaktionsmitglied, VÖGB-Zertifikatslehrgänge "Recht und Wirtschaft und "Soziale Kompeten", Weiterbildung Öffentlichkeitsarbeit und Web 2.0

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