Mitarbeitergespräche: eine Frage der Kommunikation

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Mitarbeitergespräche sind dazu da, Arbeitnehmer zu fördern und zu motivieren. Zumindest in der Theorie. In der Praxis werden sie mitunter als Bewertungsgespräch oder gar als Mobbing-Instrument missbraucht, sagen Betroffene. Beim GEDIFO Powerbreakfast konnten Betriebsräte erfahren, wie sie Mitarbeiter beim „Bilanz-Ziehen“ mit dem Vorgesetzten am besten unterstützen.

Das GEDIFO Powerbreakfast ist eine regelmäßige Informations- und Diskussions-Veranstaltung der CoP Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Thema war diesmal das Mitarbeitergespräch (MAG) – ein Personalinstrument, das allzu oft am Ziel vorbei schießt. Martina Chlestil von der AK Wien gab Auskunft über die Informations- und Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte. Martin Barth von der AK OÖ wies in seinem Impulsvortrag darauf hin, worauf es beim MAG ankommt, was der Vorbereitung dient und welche Stolpersteine es zu beachten gilt.

Anspannung reduzieren

Tatsächlich fühlen sich viele Mitarbeiter angespannt, wenn sie mit dem Vorgesetzten über ihre Leistungen, ihre berufliche Entwicklung und über ihre Ziele sprechen. Sie dürfen daher den Betriebsrat zur Unterstützung einbeziehen. Falls die Führungskraft nicht einverstanden ist, dass der Betriebsrat am Gespräch selbst teilnimmt, kann dieser im Nachhinein immer noch ein zweites Gespräch einfordern, wo über heikle Punkte gesprochen wird. Immerhin hat der Betriebsrat ein eigenes Frage- und Vorschlagsrecht.

Vorsicht bei Zielvereinbarungen

Wenn es um die Ziele geht, gilt es zu beachten, dass diese in einem vernünftigen Verhältnis stehen und auch erreichbar sind, betonen die Experten. Die sogenannte „Karotte“ vor der Nase motiviere nämlich nicht, im Gegenteil. Bei Prämien-abhängigen Zielen warnen sie zu besonderer Vorsicht. Grundsätzlich sollten Zielvereinbarungen schriftlich festgehalten werden und einen exakt festgelegten Zeitraum enthalten. Weitere Vereinbarungen können notwendige Veränderungen am Arbeitsplatz oder Weiterbildungsmaßnahmen enthalten. Auch diese sollten möglichst klar umrissen sein. Wichtig sei noch, die Rahmenbedingungen abzuklären, unter denen die Ziele erreicht werden sollen. Ziele machen schließlich erst Sinn, wenn wir sie auch korrigieren können.

Betriebsvereinbarungen

Üblicherweise sollte es eine entsprechende Betriebsvereinbarung geben. Der Betriebsrat kann außerdem mitbestimmen bei Entlohnungsgrundsätzen, Leistungskontrollen und Beurteilungsgrundsätzen. Im Zweifelsfall raten die Experten den Betroffenen, sich an AK und Gewerkschaft zu wenden, wo sie entsprechende rechtliche Beratung erhalten.

Kommunikationskompetenz erwerben

Mitarbeiter, die sich selbst gut einschätzen, über die zuletzt gestellten Aufgaben reflektieren und ihre eigenen Ziele aktiv vorbringen können, sind den Experten zufolge definitiv im Vorteil. Auch Betriebsräte profitieren von kommunikativen Fähigkeiten: Je besser sie mit Mitarbeitern und Vorgesetzten kommunizieren können, desto größer sind die Chancen auf Erfolg bei der Durchsetzung von Interessen und Rechten.

Foto: Joe Leutner
Information: Ulrich.Schoenbauer@akwien.at

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