Hirn mit „i“

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Die Technik entwickelt sich rasant, doch deren Nutzung zum Wohle der Menschen bleibt eine große Herausforderung.

In einer kürzlich ausgestrahlten Ö1 Dokumentation zum Thema „Smarter Cities“ wurde darüber diskutiert, ob sich der menschliche Verstand und die davon abhängigen Systeme wie Wirtschaft, Finanz und Soziales ähnlich schnell weiterentwickeln wie die technischen Infrastrukturen unserer Zeit.

Denn wo früher das Werkzeug dem Bedürfnis zur Unterstützung und Automatisation folgte, dort läuft heute die Suche nach dem Nutzen der rasant ansteigenden Zahl von Hardware – und Softwareerfindungen hinterher.

Ein Beispiel dafür wäre die Entwicklung des sogenannten „Internet Of Things“.

Alles und jedes wird demnach mit dem Internet verbunden und miteinander in Interaktion gebracht.Wo früher ein Barcode drauf war, ist jetzt ein Chip drin, und kaum ein Mensch oder Ding, das nicht über eine Internetadresse verfügt oder über GPS Koordinaten erreichbar wäre.

Ein Szenario

Der Kühlschrank bestellt meine Lieblingsbutter nicht, weil er vom Schrittzähler die Information bekommen hat, dass ich mich heute zu wenig bewegt habe, was die elektronische Waage bestätigt.
Der Stromzähler heisst jetzt Smartmeter und dreht um 18:00 Fernsehen und Licht ab, weil er von meinem Bankkonto die Information erhält, dass mein Barbestand ins Minus gelaufen ist.
Über einem Puls von 120 öffnet sich meine Wohnungstür nicht, um mich in einem möglicherweise gestressten Zustand nicht der Öffentlichkeit auszusetzen.
Allerdings würde mein Auto sowieso nicht starten, da ab 0,5 Promille der automatische Polizist aktiv wird.

Also bleibe ich zu Hause – in Dunkelheit und ohne Lieblingsbutter.

Wo geht die Reise hin?

Steve Jobs hat durch seine genial vermarkteten „i“ Produkte maßgeblich dazu beigetragen, dass obiges Szenario heute bereits technische Realität ist.

Dieses bewusst im Privatleben platzierte Beispiel lässt die vielfältigen Möglichkeiten erahnen, die Arbeitgebern in Zukunft zur Verfügung stehen werden, um betriebliche Prozesse neu zu organisieren und Mitarbeiterkontrolle in eine neue Dimension zu heben.

Doch sind wir als Menschen überhaupt in der Lage, solch schnelle Veränderungen zu begreifen und anzunehmen? Sind wir „hirn- und herzmäßig“ in der Lage, mit diesen Produkten so umzugehen, dass sich ein Mehrwert für unsere Gesellschaft entwickelt oder Lösungsangebote für die großen Herausforderungen unserer Zeit ergeben?

Wir alle sind gefragt!

Die nachhaltige Nutzung neuer Technologien setzt eine individuelle kritische Betrachtung möglicher Szenarien durch jeden von uns voraus.
Denn wir sind es, die in Organisationen, Firmen, Systemen und natürlich der Politik darüber mitbestimmen, mit welchen Infrastrukturen und Anwendungen kommende Generationen beglückt werden.

In der Arbeitswelt kommt diesbezüglich der gewerkschaftlichen Mitbestimmung und den Belegschaftsvertretern eine besondere Rolle zu, indem sie als Unterstützer und Sprachrohr einer breiten Mitarbeiterschaft deren Gedanken und Gefühlen zu diesem Thema zum Ausdruck verhelfen können.

Eine offene Diskussion auf breiter Ebene und die effektive Einbindung politischer und wirtschaftlicher Entscheidungsträger hätte maßgeblichen Anteil an einer umsichtigen Integration neuer technischer Infrastrukturen in unsere Leben – doch genau hier orten Experten der oben genannten Radiosendung ein massives Kommunikationsdefizit.

Dieses gilt es zukünftig auszumerzen, um eine nachhaltige Harmonie von Hirn und „i“ für uns alle sicherzustellen.

(tg)

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