Prekäre Zeiten: plötzlich auf der Abschussliste

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Befristete Verträge, Praktika und kurzfristige Einsätze gehören heute für viele Erwerbstätige zum Alltag. Besonders betroffen sind Leiharbeitskräfte. Die CoP Zeitarbeit findet diese Entwicklung nicht gut und setzt Gegenmaßnahmen.

Seit Monaten kämpft Sabrina B. um eine Fixanstellung. Die 38-jährige Buchhalterin steht bei einer Leiharbeitsfirma unter Vertrag und hat es satt, ihren Einsatzort immer wieder wechseln zu müssen. Martin K. studierte internationale Entwicklung. Mit dem massiven Gerangel um Jobs hatte der 29-Jährige nicht gerechnet: „Selbst bei Karenzvertretungen, Werkverträgen und unbezahlten Praktika raufen sich 150 bis 200 MitbewerberInnen um eine einzelne Stelle.“ Der 52-jährigen Marjan Z. wird die Mitarbeit an einem Forschungsprojekt in Aussicht gestellt. Die Expertin investiert Zeit und Energie. Nach monatelanger Ungewissheit erhält sie schließlich eine Absage. Den genauen Grund erfährt sie nicht.

Das Prekariat ist überall

Immer mehr Menschen finden sich in Arbeitsverhältnissen wieder, die ihnen ein Maximum an Flexibilität abfordern und wenig bis keine Sicherheit bieten. Betroffen sind mittlerweile Personen aller Altersklassen und Bildungsschichten. Auch Leiharbeit trägt zu dieser gesellschaftlichen Entwicklung bei: Das Modell sollte ursprünglich der Überbrückung von Konjunkturflauten dienen. Zahlreiche Branchen haben die Vorteile der „Arbeit auf Zeit“ rasch erkannt und schlagen ohne Rücksicht auf die Menschen Profit daraus. Ein krasses Bild der Realität liefert ein jüngster Bericht der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“. Vier Leiharbeitskräfte schildern, wie sie bei Adidas behandelt werden. Die Aussagen der Betroffenen gleichen einem Horror-Szenario: von menschenunwürdigen Bedingungen, fehlender Wertschätzung, geringer Entlohnung und totaler Erschöpfung ist die Rede.

Die CoP Zeitarbeit setzt Gegenmaßnahmen

Die TeilnehmerInnen der CoP Zeitarbeit des GEDIFO wollen diese Entwicklung nicht länger mitansehen. Am 9. Juni werden sie sich unter anderem mit folgenden Themen befassen: All-in Verträge, innerbetriebliche Schiedsgerichte, Weiterbildung für Leihkräfte, Monitoring-Tools zur Erlangung von Gleichbehandlung, Solidarität der Stammbelegschaft, Möglichkeiten zur Übernahme, Jahresprämien und Zielvereinbarungen in Mitarbeitergesprächen.
Ziel der CoP ist es, konkrete Gegenmaßnahmen zu setzen. BetriebsrätInnen, die dringenden Handlungsbedarf sehen, sich für die Leiharbeitskräfte in ihren Betrieben einsetzen und mitgestalten wollen, sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Info und Kontakt: ulrich.schoenbauer@akwien.at

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