Was kostet eine Zeitarbeits-/Leiharbeitskraft?

0

Die Kosten einer Leiharbeitskraft

In der Praxis stellt sich häufig die Frage wie viel Leiharbeitskräfte kosten. Vor allem für Betriebsräte von Betrieben, die Leiharbeitskräfte beschäftigen (Beschäftigerbetriebsräte) oder wo es seitens des Managements Überlegungen gibt Leiharbeitskräfte einzustellen ist dies besonders interessant. Kosten ZeitarbeitnehmerInnen mehr oder weniger als StammarbeitnehmerInnen? Nun – vorweg kann schon gesagt werden, dass sie grundsätzlich mehr kosten. Der Arbeitskräfteüberlasser will ja auch einen Gewinn machen und vom Lohn (Arbeiter) bzw Gehalt (Angestellte) her sind Leiharbeitskräfte bei korrekter Entlohnung auf Grund der Regelung im österreichischen Arbeitskräfteüberlassungsgesetz und auf Grund der Referenzzuschläge im Kollektivvertrag für LeiharbeiterInnen (siehe dort Abschnitt IX) selten günstiger. Der Beschäftigerbetrieb erspart sich aber in der Regel Kosten für die Personalsuche und für die Administration und Abrechnung des Personals. Die Möglichkeit ZeitarbeitnehmerInnen leichter wieder „los zu werden“ spielt auch eine Rolle.

Welche Kosten sind zu berücksichtigen?

Der Arbeitskräfteüberlasser rechnet bei seiner Kostenkalkulation neben dem Gewinn auch noch Kosten für das bei ihm selbst beschäftigte interne Stammpersonal, Kosten für Miete der Büroräumlichkeiten, Sachaufwand, Werbungskosten, Personalsuche mittels Inseraten, Einstufung in den Kollektivvertrag, sowie eine Rücklage mit ein.

Zum Bruttoentgelt das der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin erhält sind weiters die sogenannten Lohnnebenkosten (Sozialversicherungsabgaben des Arbeitgebers, Urlaubsentgelt, Sonderzahlungen, etc.) und die „Ausfallzeiten“ (Kosten für Entgeltfortzahlung bei Krankheit, Arztbesuche, Dienstverhinderung, Stehzeit etc.) hinzuzurechnen. Diese betragen etwa 95%.

Unter Berücksichtigung aller oben genannten Kosten ergibt sich in der Praxis eine Bandbreite für den Kalkulationsfaktor von 2,1 (niedrigster) bis 2,6 (höchster), wobei ein Faktor von 2,3 und darüber für den Überlasser schon ein sehr gutes Geschäft darstellt.

Grundsätzlich ist der Gewinn des Überlassers umso höher je geringer die Ausfallszeiten pro Arbeitnehmer/Arbeitnehmerin sind.

Welche Faktoren sind weiters entscheidend?

Die Höhe des Multiplikators hängt von verschiedenen Faktoren ab. Handelt es sich um einen großen oder kleinen Kunden? Wie lange dauert der Einsatz? Wesentliche Faktoren kann auch sein welche Qualifikation der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin hat bzw. welche Nachfrage diesbezüglich am Arbeitsmarkt besteht. Handelt es sich beispielsweise um jemanden ohne besondere Qualifikationen, ist die Dauer der Überlassung lange und handelt es sich um einen großen Kunden, dann wird der Faktor eher bei 2,1 liegen. Auslösen, Montagezulagen uÄ werden meist extra verrechnet.

Beispiel:

Überlassung eines Bodenlegerhelfers an einen großen Kunden für mehr als 6 Monate ohne Referenzzuschläge.

Kollektivvertraglicher Stundenlohn (brutto, Stand August 2014) laut Kollektivvertrag für Bodenleger: 10,58 Euro. 10,58 Euro multipliziert mit einem Faktor 2,1 ergibt: 22,22 Euro/Stunde.

Um welche Form der Überlassung handelt es sich?

Die Höhe des Multiplikators hängt auch wesentlich von der Form der Überlassung ab. Handelt es sich um eine „normale“ Überlassung oder um eine Überlassung mit Übernahmeoption? Bei letzterer besteht die Option, dass der Mitarbeiter nach einer Zeit von ca. 3-6 Monaten übernommen wird. Es handelt sich um eine Art Verlängerung der Probezeit. Hier ist die Kostenkalkulation etwas günstiger, da keine Kündigungszeit eingerechnet werden muss.

Eigenen Kalkulationen folgt auch die sogenannte Überlassung auf „Payroll-Basis“. Hier erfolgt die Überlassung um die Kosten in der Bilanz für das Personal niedrig zu halten. Da das Risiko für die Ausfallszeiten vom Beschäftiger übernommen wird kann hier sogar mit einem Faktor 1,7 multipliziert werden. Bei der Berechnung wird dabei meist nicht von einem Stundensatz ausgegangen sondern von einer monatlichen fixen Pauschale/einem Monatslohn/einem Monatsgehalt.

Ein Multiplikator unter 2 ist mit Vorsicht zu genießen

Bei einer „normalen“ Überlassung kann aber jedenfalls festgehalten werden, dass eine Kostenkalkulation mit einem Multiplikator unter 2 mit Vorsicht zu betrachten ist. Hier kommt es entweder dazu, dass – meist auf Kosten des überlassenen Arbeitnehmers/der überlassenen Arbeitnehmerin – getrickst wird oder es werden Dumpinglöhne angeboten um am österreichischen Markt Fuß zu fassen. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang, dass der Beschäftiger im Fall der Insolvenz des Überlassers grundsätzlich für offene lohnabhängige Abgaben der beschäftigten ZeitarbeitnehmerInnen haftet.

Ob eine Leiharbeitskraft selbst korrekt entlohnt wird, kann natürlich nur an Hand der konkreten Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung beurteilt werden.

Die COP-Arbeitsgruppe Zeitarbeit

About Author

Seit 2004 Betriebsratsvorsitzende Stv. der ManpowerGroup GmbH (Personaldienstleistung), 2008 Absolventin der BRAK (BetriebsrätInnenakademie), SVP (Sicherheitsvertrauensperson), EH (Ersthelferin), BW (Brandschutzwart), 2009 Gründung der COP Zeitarbeit, 2013 GEDIFO Redaktionsmitglied, VÖGB-Zertifikatslehrgänge "Recht und Wirtschaft und "Soziale Kompeten", Weiterbildung Öffentlichkeitsarbeit und Web 2.0

Comments are closed.