Des Pudels Kern

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Draußen dringen die letzten Oktober-Sonnenstrahlen durch den Nebel. Drinnen reflektieren Betriebsräte über Betriebliche Weiterbildung. Am Geld kann es wohl nicht liegen, dass sich Arbeitnehmer nur ungern weiterbilden lassen – Förderungen gibt es ausreichend. Vielmehr zweifelt man die Sinnhaftigkeit des Weiterbildungsangebotes an und stellt psychische Belastungen in den Vordergrund. „Manche bekommen Angst, wenn sie eine Weiterbildung machen müssen“, sagt Roswitha. Sie fürchten, dass ihre Kompetenz in Frage gestellt wird und sie ihren Job verlieren. „Oder aber sie fühlen sich geringgeschätzt“, vermutet Ercüment. Tatsächlich gehen die Krankenstände an auferlegten Weiterbildungstagen merklich nach oben, stellen die Betriebsräte fest. Betriebliche Weiterbildung – also solche, die vom Arbeitgeber organisiert wird und hauptsächlich während der Arbeitszeit stattfindet – gibt es verstärkt in großen Unternehmen. Hauptsächlich profitieren Akademiker und Führungskräfte. Die Guten werden also immer besser. Durch den Rost fallen, wie so oft, die Unqualifizierten.

Praxis zählt

Nun sind aber Innovation, Strukturwandel und Wettbewerbsfähigkeit in hohem Maße von unserer Lernwilligkeit abhängig. Hinzu kommt, dass sich Kompetenz-Entwicklung in unserer global vernetzten Industriegesellschaft durch traditionelle Weiterbildungskonzepte nach schulischem Muster nicht mehr abdecken lassen. Ein Zertifikat sagt oft herzlich wenig über die eigentlichen Kompetenzen bei der Bewältigung beruflicher Herausforderungen aus. Was zählt, ist praktische Erfahrung und die Fähigkeit, sich (und seine Produkte) rasch anzupassen an veränderte Situationen.

Wir brauchen eine neue Haltung

Wer übernimmt also jetzt die Verantwortung dafür, dass auch bildungsbenachteiligte Arbeitnehmergruppen offen stehen für die vielfältigen Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Kompetenzen? Der Staat, das Unternehmen, der Einzelne? Die Betriebsräte sehen die Notwendigkeit des persönlichen Gesprächs und der Aufklärung. Aber auch dafür braucht es die entsprechende Qualifikation: in erster Linie die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen und ihnen zuzuhören; eine Vertrauensbasis zu schaffen; informiert zu sein über die Förderlandschaft, gesetzliche Bestimmungen und allfällige Hilfestellungen.

Man könnte auch sagen: Innovative Betriebsrats-Arbeit erfordert eine veränderte innere Haltung. gedifo beziehungsweise die CoP Berufliche Weiterbildung ist ein Ort, wo engagierte Betriebsräte, die sich der Problematik bewusst sind, gemeinsam nach umsetzbaren Lösungen suchen. Denn sie wissen um des Pudels Kern: Einzig Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und der kontinuierliche Austausch mit Experten – kurz, praxisrelevante Weiterbildung – können sicherstellen, dass die Verlierer der Modernisierung letztlich nicht unbemerkt durch das soziale Netz fallen.

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