Mit dem Kopf durch die Wand

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Redekompetenz ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Ob in Management-Karrieren, Projekt-Teams oder in Beziehungen: unser Kommunikationsverhalten beeinflusst jegliche soziale Interdependenz. Entsprechend viel Aufmerksamkeit widmen wir der Fähigkeit, andere mit unserer Sprache und Tonalität zu begeistern. Präsentationstechniken, Rhetorik-Kurse, Stimmtraining – die Palette der Optimierungsmöglichkeiten ist groß. Wie aber steht es um die Kunst des Zuhörens? Können wir uns in andere hineinversetzen, deren Sichtweise nachvollziehen, ihre Position verstehen und unser Kommunikations-Verhalten so verändern, dass Konflikte aufgelöst werden können? Tatsächlich gelingt Kommunikation dann, wenn die Fähigkeit des Artikulierens und des Zuhörens in ausgewogenem Maße vorhanden ist.

Das Prinzip Gummiwand durchbrechen

Aus konstruktivistischer Sicht schaffen wir unsere Wirklichkeit und somit auch unsere Probleme selbst und bringen diese durch unsere Sprache zum Ausdruck. Nehmen wir das Beispiel der „Wand“ her: sie kann ein Hindernis und gleichzeitig einen Schutz darstellen. Es liegt einzig an unserer persönlichen Wahrnehmung einer Situation, welche Bedeutung wir der Wand geben. Ebenso wie wir das Wasserglas je nach Ermessen als halb voll oder halb leer betrachten können. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Aus irgendeinem Grund vertreten wir unseren Standpunkt hartnäckig, was dazu führt, dass wir unser Problem so lange wie möglich behalten dürfen. In Fachkreisen spricht man vom sogenannten „Lieblings-Problem“.

Es bewegt sich etwas

Der systemisch-konstruktivistische Beratungsansatz beruht auf der Hoffnung, dass wir unsere Probleme durch das Einnehmen einer anderen Sichtweise sowie durch ein verändertes Kommunikationsverhalten auflösen können. Dieser Hoffnung hat sich das gedifo im Rahmen einer systemischen Strukturaufstellung – „Rennen gegen Gummiwände“ – verschrieben. Trotz oder gerade wegen der kritischen Haltung der Beteiligten gegenüber dieser Interventionsmethode war es unserer Fallbringerin am Ende möglich, die Szene mit einer erheblich positiveren Einstellung und einem konkreten Lösungsansatz für ihr Lieblings-Problem zu verlassen.

Tatsächlich kommen wir mithilfe einer spielerischen Repositionierung und einer neuen Sichtweise von Außen manchmal rascher zu hilfreichen Erkenntnissen als durch ewiges Diskutieren. Häufig stellen wir sogar fest, dass wir selbst der größte Teil unseres Problems sind: Indem wir dazu neigen, die Verhaltensweisen anderer zu interpretieren, ziehen wir die Wand selbst mit hoch. Sobald wir jedoch neugierig auf die Strukturen hinter der Gummiwand schauen, gut hinhören und „dem Neuen“ Raum geben, können wir relativ schnell erkennen, ob wir uns in einer Angelegenheit selbst blockieren oder aber ob wir uns zu Recht schützen vor dem, was sich hinter der Wand verbirgt.

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