ULI SCHÖNBAUER UND DIE MESALLIANCE

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Am 28. Juni veranstaltet das gedifo sein erstes Event im Jahr 2012 in der Alten Schiebekammer in Wien. Diesmal fragen wir unser Plenum, die Referenten und uns selbst, ob die neuen sozialen Bewegungen wirklich so anders ticken und machen und denken und wollen als die klassischen, institutionalisierten Bewegungen wie die Gewerkschaften und deren Interessensvertretungen.

Der Titel des Plenums lautet: „Neue und Alte Soziale Bewegungen – eine Mesalliance?“ Ich schlage im Wörterbuch nach und finde: „Ehe, Partnerschaft zwischen nicht zusammenpassenden Partnern“.  In der Vorbereitung für dieses Plenum hat Uli Schönbauer aus der gedifo Community immer wieder dieses Wort Mesalliance zuerst leise und undeutlich, dann aber immer lauter und akzentuierter von sich gegeben. „Kennt ihr das Drama einer Mesalliance?“, fragte er am Anfang, „Ich denke wir reden hier über eine scheinbare, klassische Mesalliance.“, sagte er am Ende. Warum das jetzt in den Titel unseres Plenums reinrutscht, was er genau damit meint uns was es mit diesem Plenum auf sich hat, hab ich ihn gestern gefragt. Uli kann nicht skypen, wenn er in der Arbeiterkammer in seinem Büro vor dem Computer sitzt. Ich muss komischerweise an Mesalliance denken. Daher rufe ich ihn an. Telefonieren geht. Er geht ran und ich sage ihm, dass wir ein Interview machen für das gedifo Blog.

Uli, frage ich, was steckt denn hinter dem Titel unseres Plenums?

In unserer Community gibt‘s gerade ein Thema, was wir immer wieder ansprechen. In jeder CoP sprechen wir darüber von Zeit zu Zeit: Die Piraten kommen! In Deutschland schaffen die innerhalb von kürzester Zeit einen komentenhaften Aufstieg. Nach eine neuesten Umfrage würden 23 % (!) der 16-29-jährigen Deutschen die Piratenpartei wählen. Marina Weissband, die ehemalige Geschäftsführerin der Piratenpartei antwortet auf die Kritik an dem fehlenden Parteiprogramm, dass die Piraten „ein Betriebssystem“ wären. Das ist neu. Neu ist das Wie der politischen Entscheidungsfindung. Die Fragen, die sich also stellen: Ist diese „liquid democracy“ anschlussfähig an die tradierten Politiken und Verfasstheiten der, ich sag jetzt mal, klassischen, alten Bewegungen? Mit welchen Praxen funktioniert so ein Betriebssystem und von welchen Praxen müssten wir uns in den Gewerkschaften und NGO‘s verabschieden?

Was will das gedifo mit dem Plenum erreichen Uli? 

Wir haben Vertreter beider Bewegungen eingeladen, als Referenten und für das Plenum. Daneben werden Experten wie Jüdith Schössbock oder Matthias Bernold  Input liefern. Wir wollen der Community einen breiten Überblick über neue Politkzugänge (Liqud Democracy, Wiener Charta, Occupy…) anbieten und – am Beispiel der Gewerkschaften – die Resonanz bei arrivierten Sozialen Bewegungen entwickelt werden. Gemeinsam mit dem Publikum wollen wir dann die Chancen und Risiken checken. Wo liegen Anknüpfungspunkte für beide Formen des politischen, sozialen Engagements? Darum geht‘s. Wir wollen rauskommen aus der vermeintlichen Mesalliance.

Und das Besondere an diesem GEDIFO-Plenum?

Erstmals können wir mit einer namhaften Vertreterin der deutschen Piratenpartei diskutieren. Simone Brand wird uns in das Demokratie-Modell der Piratenpartei einführen. Im Vordergrund stehen politische Paradigmen, das Wie der Politik. Und weniger die politische Programmatik, das Was der Politik.

Ich denke mir, drei Fragen reichen fürs Erste und bedanke mich bei Uli. Er legt auf und ich frage mich, ob Uli denn die Piraten wählen würde.

About Author

Stefan ist in Berlin aufgewachsen. Das Studium der Kommunikationswissenschaften führte ihn nach Osnabrück, Leipzig, New York und letztendlich nach Wien. Für das gedifo engagiert er sich seit 2010.

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